Noch bis 25. April 2027, JEIN! - Ein Rundgang durch die neue Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen
Die Jahresausstellung „JEIN! Eine interaktive Ausstellung über Orientierung im Ungewissen“ hat gerade ihre Türen geöffnet, und das Team der Franckeschen Stiftungen führt uns durch die sieben Räume, die sich wie ein Parcours durch die großen und kleinen Fragen des Lebens ziehen.
Schon im Eingangsbereich wird klar: Diese Ausstellung will nicht erklären, sondern erleben lassen. „Diese Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema Orientierung … nicht nur im geografischen Sinne, sondern mit Orientierung im Wesen“, heißt es zu Beginn. Und genau das spürt man sofort.
𝐄𝐢𝐧 𝐋𝐚𝐛𝐲𝐫𝐢𝐧𝐭𝐡 𝐚𝐮𝐬 𝐒𝐭𝐢𝐦𝐦𝐞𝐧 – 𝐃𝐞𝐫 𝐞𝐫𝐬𝐭𝐞 𝐑𝐚𝐮𝐦
Der Rundgang beginnt im Raum der Desorientierung, einem akustischen Labyrinth, das Jugendliche und Studierende gemeinsam entwickelt haben. Stimmen, aus allen Richtungen erklingen, sind mal ermutigend, mal zweifelnd, mal drängend.
Der Raum ist bewusst unübersichtlich gestaltet. Man verliert die Orientierung — und genau das ist gewollt. Die Kurator:innen laden uns ein, „erstmal in der Maximaldesorientierung loszugehen“. Es funktioniert: Man wird auf sich selbst zurückgeworfen, auf die eigenen inneren Stimmen, die man sonst selten hört.
𝐀𝐮𝐬𝐫ü𝐬𝐭𝐮𝐧𝐠 𝐟ü𝐫 𝐝𝐚𝐬 𝐔𝐧𝐠𝐞𝐰𝐢𝐬𝐬𝐞
Im zweiten Raum wird der Blick auf die Zukunft gelenkt. Ein Regal voller merkwürdiger, nützlicher und skurriler Gegenstände steht bereit: ein übergroßer Rucksack, Sonnenbrillen, kleine Werkzeuge, Dinge, die man vielleicht nie braucht — oder genau dann, wenn man es nicht erwartet. Die Besucher sollen sich „ausrüsten“, ohne zu wissen, wofür.
Der symbolische Akt funktioniert: Man greift zu einem Objekt und beginnt, über mögliche Wege nachzudenken.
Begleitet wird der Rundgang vom sogenannten Lochbuch, einem Heft, in dem pro Raum Fragen beantwortet und Entscheidungen „eingeloggt“ werden. Es dient als persönlicher Leitfaden durch die Ausstellung und als Reflexionsinstrument.
𝐃𝐚𝐬 𝐌𝐞𝐞𝐫 𝐝𝐞𝐫 𝐌ö𝐠𝐥𝐢𝐜𝐡𝐤𝐞𝐢𝐭𝐞𝐧
Der dritte Raum übersetzt Entscheidungsdruck in ein Spiel. Unter Zeitlimit müssen Besucherinnen und Besucher aus einer Vielzahl von Lebensentscheidungen wählen. Eine Stimme fordert: „Du hast eine Minute Zeit, deine Wahl zu treffen.“
Nach Ablauf der Zeit bewertet das „Licht des Schicksals“ die Entscheidungen – teils humorvoll, teils willkürlich. Genau darin liegt die Aussage: Entscheidungen entstehen oft unter Stress, unter äußeren Bedingungen, die man nicht beeinflussen kann. Der Raum zeigt, wie komplex Orientierung wird, wenn Optionen und Zeitdruck zusammentreffen und wie schnell man sich im „Meer der Möglichkeiten“ verlieren kann.
𝐒𝐭ä𝐫𝐤𝐞𝐧 𝐬𝐭𝐚𝐭𝐭 𝐒𝐭𝐫𝐞𝐬𝐬
Nach dem dynamischen Einstieg folgt ein ruhiger Abschnitt. In einem hellen Raum können Besucher meditieren oder am Stärken-Check-Spiel teilnehmen. Dabei weisen sich Menschen gegenseitig Stärken zu – kleine, oft überraschende Beobachtungen, die den Blick auf das eigene Selbst verändern.
Die Kuratorinnen betonen:
„Du bist, so wie du bist, erstmal gut.“
Ein Satz, der hängen bleibt.
Der Raum wirkt wie ein Gegenpol zu den vorherigen Herausforderungen und macht deutlich, dass Orientierung auch bedeutet, die eigenen Ressourcen wahrzunehmen, eine Einladung, sich selbst wiederzufinden.
𝐖ü𝐧𝐬𝐜𝐡𝐞 𝐢𝐧𝐬 𝐀𝐥𝐥
Im nächsten Raum steht eine Maschine, die Wünsche ins All „morsen“ kann. Besucher tippen ihre Wünsche ein, hören das rhythmische Klacken und sehen an der Wand die Wünsche anderer. Die Installation zeigt, wie Wünsche Orientierung geben können – als Ausrichtung, als Ziel, als innerer Kompass.
𝐋𝐞𝐛𝐞𝐧𝐬𝐰𝐞𝐠𝐞 𝐮𝐧𝐝 𝐏𝐞𝐫𝐬𝐩𝐞𝐤𝐭𝐢𝐯𝐞𝐧
Der vorletzte Raum widmet sich biografischen Erfahrungen. Man sitzt auf einer Bank, hört zu, sieht Gesichter, hört Geschichten. Interviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigen Lebenswege, die selten geradlinig verlaufen. Manche berichten von Brüchen, andere von Neuanfängen oder unerwarteten Wendungen. Die Botschaft ist klar: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Orientierung ist kein einmaliger Akt, sondern ein fortlaufender Prozess. Lebensläufe sind selten gerade — und das ist völlig in Ordnung.
𝐓𝐚𝐤𝐞𝐚𝐰𝐚𝐲 – 𝐎𝐫𝐢𝐞𝐧𝐭𝐢𝐞𝐫𝐮𝐧𝐠 𝐚𝐥𝐬 𝐀𝐮𝐟𝐠𝐚𝐛𝐞
Der letzte Raum fasst die Ausstellung zusammen. Ein Orakel lädt zu spielerischen Fragen ein, ein „Begründungsland“ zeigt, wo Besucher Unterstützung suchen, und Karten mit Beratungsstellen bieten konkrete Anlaufpunkte.
Es ist ein Raum, der Mut machen soll.
Mut, Entscheidungen zu treffen.
Mut, Umwege zuzulassen.
Mut, sich neu auszurichten.
Die Ausstellung endet nicht mit einer Lösung, sondern mit einem Impuls: Orientierung bleibt eine lebenslange Aufgabe.
Die Jahresausstellung „JEIN!“ zeigt, wie Museen junge Menschen erreichen können, wenn sie deren Lebensrealität ernst nehmen. Statt fertiger Antworten bietet sie Situationen, die zum Nachdenken, Spielen und Entscheiden einladen. Sie ist ein Erlebnis, ein Parcours, ein Spiegel.
Sie richtet sich an Jugendliche — aber eigentlich an alle, die sich irgendwann im Leben neu orientieren müssen. Der Rundgang macht deutlich:
𝐎𝐫𝐢𝐞𝐧𝐭𝐢𝐞𝐫𝐮𝐧𝐠 𝐞𝐧𝐭𝐬𝐭𝐞𝐡𝐭 𝐢𝐦 𝐓𝐮𝐧 – 𝐮𝐧𝐝 𝐦𝐚𝐧𝐜𝐡𝐦𝐚𝐥 𝐢𝐦 𝐔𝐧𝐠𝐞𝐰𝐢𝐬𝐬𝐞𝐧.
𝐉𝐄𝐈𝐍! 𝐄𝐢𝐧𝐞 𝐢𝐧𝐭𝐞𝐫𝐚𝐤𝐭𝐢𝐯𝐞 𝐀𝐮𝐬𝐬𝐭𝐞𝐥𝐥𝐮𝐧𝐠 ü𝐛𝐞𝐫 𝐎𝐫𝐢𝐞𝐧𝐭𝐢𝐞𝐫𝐮𝐧𝐠 𝐢𝐦 𝐔𝐧𝐠𝐞𝐰𝐢𝐬𝐬𝐞𝐧
Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen
5. September 2026 ‒ 25. April 2027
Historisches Waisenhaus
Eintritt 8 Euro, erm. 5 Euro, bis 18 Jahre Eintritt frei
𝐁𝐄𝐆𝐋𝐄𝐈𝐓𝐏𝐑𝐎𝐆𝐑𝐀𝐌𝐌
Die Ausstellung wird von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm begleitet. Alle Themen, Termine und wichtigen Informationen finden Sie auf www.francke-halle.de.
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