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Wer heute das neue Welterbezentrum betritt, sieht zunรคchst ein Haus, das auf den ersten Blick erstaunlich selbstverstรคndlich wirkt. Doch hinter den Wรคnden, unter Decken, hinter spรคter eingezogenen Verkleidungen und unter zahlreichen Schichten von Farbe und Putz verbirgt sich eine lange Geschichte. Noch vor wenigen Jahren hatte das Gebรคude einen ganz anderen Eindruck vermittelt. Es lag beinahe ein wenig verborgen, hinter Hecken zurรผckgezogen, und wer davorstand, konnte kaum ahnen, was sich im Inneren noch erhalten hatte.

โ€žSie haben bestimmt alle noch vor Augen, wie das hier vor drei Jahren aussahโ€œ, hieรŸ es wรคhrend des Rundgangs. Ein Gebรคude im Tiefschlaf, so kรถnnte man den Eindruck beschreiben. Im Garten wuchs, was eben wachsen wollte, und auch das Haus selbst schien zunรคchst eher von seiner langen Geschichte รผberdeckt als von ihr geprรคgt. Heute ist davon vieles verschwunden โ€“ und gleichzeitig gerade dadurch wieder sichtbar geworden.

Denn bei der Sanierung ging es nicht darum, ein historisches Gebรคude einfach glatt und geschniegelt in einen vermeintlichen Ursprungszustand zurรผckzuversetzen. Vielmehr begann eine Art archรคologische Arbeit am eigenen Haus. Was war noch vorhanden? Welche Strukturen verbargen sich hinter spรคteren Umbauten? Wo lagen die ursprรผnglichen Rรคume? Welche Verรคnderungen hatten die Jahrhunderte hinterlassen?

Vor rund fรผnf Jahren begann der Weg mit einem europaweiten Architektenwettbewerb. Danach wurde ein Planungsteam zusammengestellt, in dem die unterschiedlichsten Fachrichtungen zusammenarbeiten mussten. Architekten, Restauratoren, Tragwerksplaner, Fachleute fรผr den Brandschutz, Innenarchitekten und Lichtplaner gehรถrten dazu. Und natรผrlich die Handwerker, die schlieรŸlich das umsetzen mussten, was auf Papier geplant worden war.

๐ƒ๐ž๐ง๐ง ๐ฌ๐œ๐ก๐ง๐ž๐ฅ๐ฅ ๐ฐ๐ฎ๐ซ๐๐ž ๐ค๐ฅ๐š๐ซ: ๐ƒ๐ข๐ž๐ฌ๐ž๐ฌ ๐‡๐š๐ฎ๐ฌ ๐ฅรค๐ฌ๐ฌ๐ญ ๐ฌ๐ข๐œ๐ก ๐ง๐ข๐œ๐ก๐ญ ๐ง๐š๐œ๐ก ๐ž๐ข๐ง๐ž๐ฆ ๐ž๐ข๐ง๐Ÿ๐š๐œ๐ก๐ž๐ง ๐’๐œ๐ก๐ž๐ฆ๐š ๐ฌ๐š๐ง๐ข๐ž๐ซ๐ž๐ง.

รœber Jahrhunderte hinweg war immer wieder gebaut und umgebaut worden. Eine Decke kam unter eine andere, eine Wand wurde verkleidet, spรคter wieder verรคndert, neue Tapeten รผber alte gezogen. Manche ร–ffnungen wurden geschlossen, andere geschaffen. Immer wieder hatten sich neue Zeitschichten รผber die รคltere Bausubstanz gelegt. So war mit der Zeit beinahe vergessen worden, was fรผr ein Gebรคude sich eigentlich hinter all diesen Verรคnderungen verbarg. Erst durch das vorsichtige Zurรผckbauen und das schrittweise Freilegen der historischen Struktur wurde deutlich, dass sich hier ein bedeutendes Renaissance-Palais erhalten hatte. Mit jeder entfernten Schicht kam ein Stรผck seiner ursprรผnglichen Gestalt wieder zum Vorschein.

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Nicht alles wurde wiederhergestellt. Nicht jede Wand wurde geglรคttet. Nicht jede Spur der Vergangenheit verschwand hinter frischem Putz. Im Gegenteil: Viele dieser Spuren sind bewusst sichtbar geblieben.

Wรคhrend des Rundgangs fรคllt das immer wieder auf. Da sind Bereiche, die fast roh wirken. Alte Wandstrukturen sind erkennbar, unterschiedliche Materialien treffen aufeinander, manche Stellen sehen beinahe brรผchig aus. Das ist kein unfertiger Bauzustand.

Es ist Teil des Konzepts. Man wollte, wie es wรคhrend der Fรผhrung beschrieben wurde, โ€žein bisschen mehr Venedigโ€œ wagen.

Damit ist kein bestimmter Stil gemeint, sondern der Gedanke, die Geschichte eines Gebรคudes nicht vollstรคndig zu รผberdecken. Ein Haus, das mehrere Jahrhunderte erlebt hat, darf auch zeigen, dass es diese Jahrhunderte erlebt hat.

Der Respekt vor dem historischen Gebรคude spielte dabei ebenso eine Rolle wie die vorhandenen finanziellen und zeitlichen Mรถglichkeiten. Auch bei einem guten Budget bleibt eine Aufgabe dieser GrรถรŸenordnung eine Herausforderung. Umso wichtiger war es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und dennoch ein รผberzeugendes Ergebnis zu schaffen.

Das Ergebnis ist heute ein Haus, das nicht nur Ausstellungsrรคume enthรคlt, sondern selbst Teil der Ausstellung geworden ist. Und vielleicht ist das sogar der entscheidende Gedanke hinter dem neuen Welterbezentrum: Besucherinnen und Besucher sollen nicht nur Informationen รผber den Naumburger Dom und das UNESCO-Welterbe erhalten. Sie sollen sich in einem Gebรคude bewegen, das selbst Geschichte atmet.

๐ƒ๐š๐ฌ ๐‡๐š๐ฎ๐ฌ ๐ข๐ฌ๐ญ ๐๐š๐›๐ž๐ข ๐ ๐š๐ง๐ณ ๐›๐ž๐ฐ๐ฎ๐ฌ๐ฌ๐ญ ๐š๐ฅ๐ฌ ๐จ๐Ÿ๐Ÿ๐ž๐ง๐ž๐ซ ๐Ž๐ซ๐ญ ๐ ๐ž๐๐š๐œ๐ก๐ญ.

Schon das Erdgeschoss empfรคngt die Besucher nicht mit einer klassischen Museumsatmosphรคre, sondern als Bereich zum Ankommen, Orientieren und Entdecken. Wer hier eintritt, soll zunรคchst einmal Lust bekommen, sich mit der Region zu beschรคftigen. Es geht um die Kulturlandschaft, um die Menschen und Orte, die mit dem Naumburger Dom verbunden sind. Der Dom steht nicht fรผr sich allein. Er ist Teil eines historischen, kulturellen und landschaftlichen Zusammenhangs, der weit รผber die Stadt hinausreicht. Der Besucher soll deshalb nicht nur erfahren, warum der Naumburger Dom Welterbe ist. Er soll zugleich neugierig darauf werden, die Region zu entdecken.

Auch der Garten gehรถrt zu diesem offenen Konzept. Haus und Garten sollen kein abgeschlossener Bereich sein, der nur gegen Eintritt zugรคnglich ist. Der Garten ist frei zugรคnglich und soll fรผr die Bevรถlkerung ebenso ein Ort sein wie fรผr Besucher aus aller Welt.

๐„๐ข๐ง๐ž ๐›๐ž๐ฌ๐จ๐ง๐๐ž๐ซ๐ž ๐‘๐จ๐ฅ๐ฅ๐ž ๐ฌ๐ฉ๐ข๐ž๐ฅ๐ญ ๐ข๐ฆ ๐„๐ซ๐๐ ๐ž๐ฌ๐œ๐ก๐จ๐ฌ๐ฌ ๐ž๐ข๐ง ๐ ๐ซ๐จรŸ๐ž๐ซ ๐–๐š๐ง๐๐ญ๐ž๐ฉ๐ฉ๐ข๐œ๐ก.

Er ist nicht einfach Dekoration. Er ist ein Bild der Kulturlandschaft.

Die Idee entstand im engen Austausch mit den Verantwortlichen des Naumburger Doms und den Fachleuten, die sich mit der Geschichte der Region beschรคftigen. Der Teppich soll Besucherinnen und Besucher gewissermaรŸen in die Welt eintauchen lassen, aus der der Naumburger Dom und seine auรŸergewรถhnliche Kunst hervorgegangen sind. Dabei greift die Gestaltung auf eine sehr alte Form der Bildvermittlung zurรผck.

Der Wandteppich selbst knรผpft mit seiner handwerklichen Technik an die groรŸen Bildteppiche vergangener Jahrhunderte an. Auch die Bildsprache erinnert an historische Vorbilder. Gleichzeitig ist die Darstellung modern genug, um ohne lange Erklรคrungen zu funktionieren. Das ist bewusst so gewรคhlt.

Der Teppich soll international verstรคndlich sein. Deshalb kommt er weitgehend ohne Text aus. Stattdessen erzรคhlt das Bild selbst.

Im Mittelpunkt steht der Naumburger Dom. Um ihn herum entfaltet sich die Kulturlandschaft mit ihren Orten, ihren Menschen und ihren Geschichten.

Im Zentrum des Bildes steht die Natur, dargestellt durch Mutter Erde. Darunter und darum herum erscheinen Menschen bei der Arbeit. Sie sichern die Ernรคhrung, schaffen Gebรคude und Stoffe, bearbeiten die Landschaft und gestalten damit jene Welt, in der sich das Leben des Mittelalters abspielte.

Andere Bildbereiche zeigen die weltliche und die geistliche Sphรคre. Burgen und Herrschaftsorte stehen neben Klรถstern und religiรถsen Einrichtungen. Wein wird hergestellt, Bier gebraut, Kerzen werden produziert. Handwerk, Landwirtschaft und Religion sind miteinander verbunden.

All diese Elemente sind nicht zufรคllig ausgewรคhlt. Sie zeigen die Welt, in der der Naumburger Dom entstanden ist. Der Teppich erzรคhlt damit nicht nur von einem einzelnen Bauwerk, sondern von einer ganzen Region.

Auch kรผnftig soll diese Kulturlandschaft im Welterbezentrum lebendig vermittelt werden. Gedacht ist beispielsweise an Veranstaltungen, bei denen Menschen aus den verschiedenen Orten der Region selbst erzรคhlen.

Die Idee einer โ€žLangen Nacht der Kulturlandschaftโ€œ wurde wรคhrend des Rundgangs bereits angesprochen. Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Orte kรถnnten dabei ihre eigenen Geschichten mitbringen. Menschen aus der Region wรผrden nicht nur als Fachleute auftreten, sondern als diejenigen, die ihre Orte kennen und mit ihnen verbunden sind. So kรถnnten die vielen kleinen Anekdoten, die in einer klassischen Ausstellung kaum alle Platz finden, auf andere Weise lebendig werden.

Der Rundgang fรผhrte anschlieรŸend weiter nach oben. รœber die Treppe gelangt man in das Obergeschoss und damit in einen der beeindruckendsten Bereiche des Hauses: den groรŸen Saal.

Schon der Raum selbst erzรคhlt wieder seine eigene Geschichte.

Beim Blick auf die Stรผtzen und Wรคnde wird deutlich, wie sehr sich das Gebรคude im Laufe der Jahrhunderte verรคndert hat. Manche Bauteile waren spรคter รผberdeckt oder in neue Wandstrukturen einbezogen worden. Heute sind Teile dieser historischen Substanz wieder sichtbar. Die statisch notwendigen Sicherungen wurden dabei nicht versteckt. Auch sie sind Teil des Hauses geworden.

Wo eine Konstruktion gesichert werden musste, geschah dies mit handwerklicher Sorgfalt. Gleichzeitig bleibt sichtbar, warum diese Sicherung notwendig ist. Geschichte und heutige Technik stehen nebeneinander.

๐ƒ๐ž๐ซ ๐ ๐ซ๐จรŸ๐ž ๐’๐š๐š๐ฅ ๐›๐ข๐ฅ๐๐ž๐ญ ๐๐š๐ฌ ๐™๐ž๐ง๐ญ๐ซ๐ฎ๐ฆ ๐๐ž๐ซ ๐€๐ฎ๐ฌ๐ฌ๐ญ๐ž๐ฅ๐ฅ๐ฎ๐ง๐  ๐ณ๐ฎ๐ฆ ๐๐š๐ฎ๐ฆ๐›๐ฎ๐ซ๐ ๐ž๐ซ ๐Œ๐ž๐ข๐ฌ๐ญ๐ž๐ซ.

Hier geht es zunรคchst um eine scheinbar einfache Frage: Wer war dieser Meister eigentlich?

Sein Name ist nicht รผberliefert. Trotzdem gehรถrt er zu den bedeutendsten Kรผnstlern des europรคischen Mittelalters. Mit den Stifterfiguren im Westchor des Naumburger Doms schuf seine Werkstatt Bildwerke von einer Lebendigkeit und Ausdruckskraft, die noch heute faszinieren.

Doch die Ausstellung macht gleichzeitig deutlich: Der Naumburger Meister war kein einsamer Kรผnstler, der allein an seinem Werk arbeitete. Hinter dem Bau und der Ausstattung eines Doms stand eine ganze Welt von Handwerkern und Spezialisten. Steinmetze, Bildhauer, Baumeister und zahlreiche weitere Gewerke arbeiteten zusammen. Der Meister war Teil einer Bauhรผtte, eines groรŸen Netzwerks von Menschen, Wissen und handwerklichen Fรคhigkeiten.

Diese Welt wird im Welterbezentrum nachvollziehbar gemacht. An verschiedenen Stationen geht es um die Werkstatt, um die handwerklichen Techniken und um mรถgliche Wege, die der Naumburger Meister und seine Mitarbeiter durch Europa genommen haben kรถnnten.

Eine historische Weltkarte spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt die Welt, wie man sie sich im Mittelalter vorstellte. Fรผr heutige Betrachter wirkt eine solche Karte zunรคchst fremd. Doch gerade das macht ihren Reiz aus. Sie vermittelt, dass die Menschen des Mittelalters keineswegs in einer vรถllig abgeschlossenen Welt lebten. Handelswege, Reisen, kirchliche Verbindungen und groรŸe Bauprojekte verbanden viele Regionen miteinander.

Auch die Frage, wo der Naumburger Meister gearbeitet haben kรถnnte und welche Einflรผsse auf ihn wirkten, wird aufgegriffen.

Dabei geht es nicht darum, einen exakten Reiseweg zu behaupten. Vieles bleibt wissenschaftlich eine Annรคherung. Aber bestimmte Orte und Bauwerke lassen sich mit dem Umfeld des Meisters und seiner Werkstatt verbinden.

๐„๐ข๐ง๐ž ๐ฐ๐ž๐ข๐ญ๐ž๐ซ๐ž ๐’๐ฉ๐ฎ๐ซ ๐ฅ๐ข๐ž๐Ÿ๐ž๐ซ๐ง ๐๐ข๐ž ๐’๐ญ๐ž๐ข๐ง๐ฆ๐ž๐ญ๐ณ๐ณ๐ž๐ข๐œ๐ก๐ž๐ง.

Solche Zeichen wurden von den Handwerkern verwendet und kรถnnen Hinweise auf einzelne Werkstรคtten und ihre Tรคtigkeit geben. Fรผr die Ausstellung wurden Steinmetzzeichen nachgearbeitet, die mit der Werkstatt des Naumburger Meisters und verschiedenen Bauwerken in Verbindung stehen. So entsteht Schritt fรผr Schritt ein Bild von einer mittelalterlichen Welt, in der groรŸe Bauprojekte nur durch das Zusammenspiel vieler Menschen mรถglich waren.

Ein weiterer Ausstellungsteil beschรคftigt sich mit der Frage, wie groรŸ der Anteil des Naumburger Meisters am gesamten Dom eigentlich war. Der Naumburger Dom ist schlieรŸlich kein Werk, das in wenigen Jahren von einem einzigen Kรผnstler geschaffen wurde. Er ist eine รผber lange Zeit gewachsene Architektur. Dennoch gibt es einen Bereich, der besonders eng mit dem Naumburger Meister verbunden ist. Gerade diese auรŸergewรถhnliche kรผnstlerische Leistung war einer der entscheidenden Grรผnde dafรผr, dass der Dom heute zum UNESCO-Welterbe gehรถrt. Modelle und Darstellungen helfen dabei, die Architektur und die einzelnen Bauphasen zu verstehen.

An anderen Stationen begegnen die Besucherinnen und Besucher den berรผhmten Stifterfiguren. Sie gehรถren zu den bekanntesten Kunstwerken des europรคischen Mittelalters. Doch in der Ausstellung sollen sie nicht einfach nur als historische Bildwerke erklรคrt werden. Die Figuren erhalten eine eigene Stimme. Die Besucher kรถnnen sich mit ihnen beschรคftigen und erfahren, wer diese Menschen waren und welche Rolle sie im historischen Zusammenhang spielten. Damit wird das, was im Dom in Stein festgehalten ist, auf eine neue Weise vermittelt. Es geht dabei immer wieder um die Frage:

๐–๐š๐ฌ ๐ฆ๐š๐œ๐ก๐ญ ๐๐ž๐ง ๐๐š๐ฎ๐ฆ๐›๐ฎ๐ซ๐ ๐ž๐ซ ๐ƒ๐จ๐ฆ ๐ž๐ข๐ ๐ž๐ง๐ญ๐ฅ๐ข๐œ๐ก ๐ฌ๐จ ๐š๐ฎรŸ๐ž๐ซ๐ ๐ž๐ฐรถ๐ก๐ง๐ฅ๐ข๐œ๐ก? ๐–๐š๐ซ๐ฎ๐ฆ ๐ข๐ฌ๐ญ ๐ž๐ซ ๐–๐ž๐ฅ๐ญ๐ž๐ซ๐›๐ž?

Was unterscheidet ein bedeutendes historisches Gebรคude von einem Ort, dessen Bedeutung fรผr die gesamte Menschheit anerkannt wird? Die Ausstellung versucht, diese Fragen nicht nur mit langen Texten zu beantworten. Vieles soll durch Anschauen, Ausprobieren und eigenes Entdecken verstรคndlich werden. Besonders deutlich wird das bei einem weiteren Thema: der mittelalterlichen Glasmalerei.

Die Werkstatt des Naumburger Meisters beherrschte nicht nur die Arbeit mit Stein. Auch Holz und Glas spielten in der kรผnstlerischen Gestaltung eine wichtige Rolle.

Eine originale mittelalterliche Bleifassung und ihre heutige Rekonstruktion machen deutlich, wie die historischen Fenster entstanden. Glasfenster bestehen eben nicht einfach aus einer groรŸen Scheibe. Viele einzelne Stรผcke mรผssen zusammengesetzt werden. Die Bleiruten halten die verschiedenen Teile zusammen und bilden gleichzeitig die Struktur des Bildes.

๐…รผ๐ซ ๐ฃรผ๐ง๐ ๐ž๐ซ๐ž ๐๐ž๐ฌ๐ฎ๐œ๐ก๐ž๐ซ โ€“ ๐š๐›๐ž๐ซ ๐ค๐ž๐ข๐ง๐ž๐ฌ๐ฐ๐ž๐ ๐ฌ ๐ง๐ฎ๐ซ ๐Ÿรผ๐ซ ๐ฌ๐ข๐ž โ€“ ๐ ๐ข๐›๐ญ ๐ž๐ฌ ๐๐ž๐ฌ๐ก๐š๐ฅ๐› ๐š๐ฎ๐œ๐ก ๐ž๐ข๐ง ๐๐ฎ๐ณ๐ณ๐ฅ๐ž.

Hier kann man selbst nachvollziehen, wie einzelne Glasstรผcke zu einem Bild zusammengesetzt werden. Am Beispiel der Bischรถfe Hildeward und Richwin wird deutlich, wie aus vielen Teilen schlieรŸlich ein vollstรคndiges mittelalterliches Fenster entsteht. Das ist eine jener Stationen, an denen die Ausstellung bewusst versucht, komplizierte Zusammenhรคnge niedrigschwellig zu vermitteln. Man muss kein Kunsthistoriker sein, um zu verstehen, welche handwerkliche Leistung hinter einem mittelalterlichen Glasfenster steckt. Und man muss auch kein Fachmann sein, um beim Zusammensetzen der einzelnen Teile zu merken, dass das Ergebnis nur funktioniert, wenn jedes Stรผck seinen richtigen Platz hat.

Der Rundgang durch das Obergeschoss fรผhrte anschlieรŸend weiter in die Geschichte des Hauses selbst.

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Seine Person verbindet das Gebรคude mit einer spannenden Zeit der Reformation und der Renaissance. Pflug war der letzte katholische Bischof von Naumburg und eine Persรถnlichkeit, die zwischen den groรŸen religiรถsen und politischen Umbrรผchen seiner Zeit stand. Sein ehemaliger Lebens- und Arbeitsbereich wird im Haus aufgegriffen.

Die Rรคume werden nicht einfach historisierend nachgebaut. Stattdessen verbindet die Gestaltung heutige Ausstellungsmittel mit den erhaltenen historischen Spuren.

Ein Spiegel hilft beispielsweise dabei, Bereiche an der Decke besser betrachten zu kรถnnen. Historische Befunde, Malereien und alte Strukturen werden auf diese Weise zugรคnglich, ohne dass Besucher sich in eine bestimmte Position bringen mรผssen.

๐€๐ฎ๐œ๐ก ๐ก๐ข๐ž๐ซ ๐ณ๐ž๐ข๐ ๐ญ ๐ฌ๐ข๐œ๐ก ๐ฐ๐ข๐ž๐๐ž๐ซ ๐๐ž๐ซ ๐†๐ซ๐ฎ๐ง๐๐ ๐ž๐๐š๐ง๐ค๐ž ๐๐ž๐ซ ๐’๐š๐ง๐ข๐ž๐ซ๐ฎ๐ง๐ .

Nicht alles wurde versteckt. An manchen Stellen sieht man, wo im Laufe der Jahrhunderte Wรคnde geรถffnet oder verรคndert wurden. Unterschiedliche Schichten werden sichtbar. Die Geschichte des Gebรคudes bleibt lesbar.

Gerade das verleiht diesen Rรคumen ihren besonderen Charakter. Sie wirken nicht wie eine Kulisse. Sie sind das Original.

Und manchmal darf ein Original eben auch unvollstรคndig sein.

Ein besonderer Teil der Ausstellung widmet sich anschlieรŸend dem Gedanken des Welterbes selbst. UNESCO-Welterbe klingt zunรคchst nach einer groรŸen, beinahe abstrakten Institution. Doch hinter jeder Welterbestรคtte stehen Menschen.

Menschen kรผmmern sich um historische Gebรคude, Landschaften und Denkmale. Menschen arbeiten daran, sie zu erhalten. Menschen erklรคren Besuchern ihre Bedeutung. Menschen auf der ganzen Welt beschรคftigen sich mit denselben Fragen: Wie bewahrt man ein bedeutendes Erbe? Wie macht man es zugรคnglich? Wie verhindert man, dass es verloren geht?

๐†๐ž๐ง๐š๐ฎ ๐๐ข๐ž๐ฌ๐ž ๐ฆ๐ž๐ง๐ฌ๐œ๐ก๐ฅ๐ข๐œ๐ก๐ž ๐’๐ž๐ข๐ญ๐ž ๐๐ž๐ฌ ๐–๐ž๐ฅ๐ญ๐ž๐ซ๐›๐ž๐ฌ ๐ฌ๐จ๐ฅ๐ฅ ๐ข๐ฆ ๐๐š๐ฎ๐ฆ๐›๐ฎ๐ซ๐ ๐ž๐ซ ๐–๐ž๐ฅ๐ญ๐ž๐ซ๐›๐ž๐ณ๐ž๐ง๐ญ๐ซ๐ฎ๐ฆ ๐ฌ๐ข๐œ๐ก๐ญ๐›๐š๐ซ ๐ฐ๐ž๐ซ๐๐ž๐ง.

Dafรผr entstand eine ungewรถhnliche Idee. An andere Welterbestรคtten wurden GrรผรŸe und Postkarten geschickt. Einige dieser Karten kamen zurรผck. Heute sind sie im Haus zu sehen. Viele sind handgeschrieben. Sie stammen aus verschiedenen Welterbestรคtten und verbinden Naumburg auf eine sehr direkte Weise mit anderen Orten der Welt.

Die Besucher kรถnnen die Karten anschauen, lesen und mehr รผber die jeweiligen Orte erfahren. รœber weitere Informationen lassen sich die Welterbestรคtten entdecken, aus denen die GrรผรŸe stammen. รœbersetzungen helfen dabei, die Texte zu verstehen. Das Projekt ist bewusst nicht abgeschlossen. In den kommenden Jahren sollen weitere Karten hinzukommen. Immer mehr Welterbestรคtten kรถnnten sich auf diese Weise im Haus versammeln.

Eine einfache Postkarte wird damit zu einem kleinen Zeichen eines weltweiten Netzwerks. Und genau darum geht es letztlich beim Welterbe.

๐ƒ๐ž๐ซ ๐๐š๐ฎ๐ฆ๐›๐ฎ๐ซ๐ ๐ž๐ซ ๐ƒ๐จ๐ฆ ๐ฌ๐ญ๐ž๐ก๐ญ ๐ณ๐ฐ๐š๐ซ ๐ข๐ง ๐๐š๐ฎ๐ฆ๐›๐ฎ๐ซ๐ , ๐š๐›๐ž๐ซ ๐ฌ๐ž๐ข๐ง๐ž ๐๐ž๐๐ž๐ฎ๐ญ๐ฎ๐ง๐  ๐ž๐ง๐๐ž๐ญ ๐ง๐ข๐œ๐ก๐ญ ๐š๐ง ๐๐ž๐ซ ๐’๐ญ๐š๐๐ญ๐ ๐ซ๐ž๐ง๐ณ๐ž.

Das Welterbe verbindet Orte auf der ganzen Welt miteinander. Das neue Welterbezentrum macht diese Verbindung sichtbar. Dabei bleibt der Rundgang immer wieder eng mit dem Gebรคude selbst verbunden. Die Treppen, die offenen Bereiche und die Durchblicke sind nicht nur Wege von einem Ausstellungsraum zum nรคchsten. Sie gehรถren zum Konzept. Man sieht alte Strukturen, blickt auf historische Bauteile und entdeckt immer wieder neue Spuren.

An manchen Stellen bleibt der Blick bewusst offen. Auch technische Anforderungen, etwa Rettungswege oder notwendige Durchgรคnge, wurden nicht einfach als stรถrende Elemente betrachtet, sondern in das Gesamtkonzept einbezogen.

๐ƒ๐š๐ฌ ๐‡๐š๐ฎ๐ฌ ๐ฌ๐จ๐ฅ๐ฅ๐ญ๐ž ๐จ๐Ÿ๐Ÿ๐ž๐ง ๐ฎ๐ง๐ ๐ฅ๐ฎ๐Ÿ๐ญ๐ข๐  ๐›๐ฅ๐ž๐ข๐›๐ž๐ง.

Und es sollte zeigen, was es hat. Dieser Satz fasst den gesamten Ansatz vielleicht am besten zusammen.

Wer das Welterbezentrum besucht, bekommt nicht einfach eine Liste von Daten und Fakten รผber den Naumburger Dom. Man bewegt sich durch ein Haus, das selbst Teil der Geschichte ist.

Das Gebรคude soll nicht so tun, als wรคre es immer unverรคndert geblieben. Es darf seine Narben zeigen. Es darf seine Brรผche zeigen. Es darf zeigen, dass hier gebaut, umgebaut, zerstรถrt, verรคndert und wiederentdeckt wurde. Gerade dadurch wird es glaubwรผrdig. Aus dem frรผher eher verborgenen Gebรคude ist ein Ort geworden, der nun bewusst nach auรŸen wirkt. Ein Ort zum Ankommen. Zum Informieren. Zum Lernen. Zum Staunen. Und auch zum Diskutieren.

Man begegnet der Kulturlandschaft in Bildern, trifft auf den Naumburger Meister und seine Werkstatt, erfรคhrt etwas รผber mittelalterliches Handwerk, setzt ein Glasfenster zusammen, lernt die Stifterfiguren kennen, begegnet Julius Pflug und man entdeckt, dass Welterbe nicht nur aus groรŸen Namen und bedeutenden Bauwerken besteht.

Es besteht auch aus Menschen.

โ–  Handwerkern, die vor Jahrhunderten Steine bearbeiteten.

โ–  Kรผnstlern, deren Namen teilweise lรคngst vergessen sind.

โ–  Restauratoren und Planern, die heute historische Substanz bewahren.

โ–  Menschen, die sich in anderen Welterbestรคtten auf der ganzen Welt um ihr kulturelles Erbe kรผmmern.

Und aus denjenigen, die das Haus kรผnftig mit Leben fรผllen werden.

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Im Gegenteil. Mit seiner neuen Aufgabe beginnt ein weiteres Kapitel. Das ehemalige Renaissance-Palais ist wieder sichtbar geworden. Nicht vollstรคndig so, wie es einst gewesen sein mag. Aber vielleicht gerade deshalb รผberzeugender.

Denn ein Gebรคude mit mehreren Jahrhunderten Geschichte kann niemals nur einem einzigen Zeitpunkt gehรถren. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen.

Und im neuen Welterbezentrum dรผrfen diese Spuren bleiben. Sie gehรถren zum Haus. Sie erzรคhlen von seiner Vergangenheit. Und sie machen deutlich, dass Denkmalschutz nicht immer bedeutet, alles wieder so aussehen zu lassen, als sei die Zeit stehen geblieben. Manchmal bedeutet es, die Zeit sichtbar zu machen. Genau das ist hier gelungen. Aus einem Gebรคude, das noch vor wenigen Jahren hinter Hecken verborgen und beinahe im Tiefschlaf zu liegen schien, ist ein offenes Haus geworden, fรผr Naumburg, fรผr die Region, fรผr Besucherinnen und Besucher.

nd ein Haus fรผr den Gedanken, dass Geschichte nicht nur bewahrt werden muss, sondern auch erzรคhlt werden sollte. Das Gebรคude selbst ist dabei vielleicht das grรถรŸte Exponat des neuen Welterbezentrums. Wer genau hinsieht, kann seine Geschichte an Wรคnden, Decken, Stรผtzen und Bรถden ablesen. Und wer anschlieรŸend durch die Rรคume geht, wird feststellen, dass es hier nicht nur um die Vergangenheit geht.

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Denn Welterbe ist nicht etwas, das abgeschlossen in einer Vitrine liegt. Es ist etwas, das bewahrt, vermittelt und immer wieder neu verstanden werden muss. Das neue Welterbezentrum will dafรผr ein Ort sein. Nicht als stilles Museum. Sondern als offenes Haus, in dem Geschichte, Gegenwart und die Zukunft des Welterbes zusammenkommen.

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